Survey
Der Südosten und der Südwesten - Prospektion 1997
Nach einer zehnjährigen Unterbrechung wurden die archäologischen Forschungsarbeiten in Zentralafrika 1997 wieder aufgenommen. Dabei standen zwei Arbeitsgebiete im Mittelpunkt des Interesses: Zum einen sollte an die 1987 aufgrund technischer Schwierigkeiten abgebrochene Flussprospektion des Ngoko und Dja im äussersten Südosten Kameruns angeknüpft werden und zum anderen war beabsichtigt, die frühe Besiedlung des Regenwaldes an der Atlantikküste im Bereich der Mündung des Sanaga, des grössten Flusses Kameruns, archäologisch zu erforschen. Diese Prospektion erbrachte ein recht umfangreiches keramisches Material, das sich allerdings ausschliesslich auf Lesefunde beschränkt, da aus Zeitgründen keine Grabungen durchgeführt werden konnten (Abb. 1). Im Zuge der Sanaga-Prospektion (Abb. 2) wurden bei einer Begehung eine Reihe von keramikführenden Befunden sowohl in
Mouanko selbst wie auch beispielsweise in dem etwas flussauf am linken Sanaga-Ufer liegenden Ort
Yatou entdeckt. In Epolo, dem ‘Hafen’ und Markt von Mouanko, konnte ein Keramikkomplex geborgen werden, der mit einem vielfach gefalteten Eisenblech assoziiert war (siehe Abb. 3). Aufgrund einer Radiokarbon-Bestimmung datiert er in das zweite bis dritte Jahrhundert n. Chr.
Der Südwesten - Prospektion 2004
Wie schon bei der ersten Prospektion 1997, basierte die hier vorgestellte hauptsächlich auf der Erkundung des Regenwaldes über Landwege. Hierzu wurde ein Gesamtstrecke von ca. 3000 km befahren um Befunde mit Spuren menschlicher Besiedlung zu finden. Dafür eigneten sich vor allem frisch aufgeschobene Strassenprofile, Flächen ohne Vegetation oder von Flüssen bei Hochwasser aberodierte Ufer, bei denen sich die Befunde, größtenteils Gruben, Oberflächenansammlungen von Funden oder Besiedlungschichten, deutlich als dunklere Verfärbungen vom umliegenden Sediment absetzten.
Bei der durchgeführten Prospektion fielen vor allem fünf Fundstellen durch eine Vielzahl von Befunden und darin enthaltenen Funden auf: Kribi/Stadtmitte, Bwambe Beach und
Bwambé-Sommet,
Akonetyé und
Campo. Zwei der hier aufgeführten Fundstellen, Akonetyé und Bwambe Sommet, wurden in der folgenden Grabungskampagne 2004/05, Campo im Frühjahr 2007 ausgegraben.
Bwambé-Sommet (BWS 04)
Dieser Grubenkomplex wurde während der Prospektion auf einem Baukomplex der Stadt Kribi, Ortsteil Bwambé entdeckt. Es handelte sich hierbei um mindestens 30 großflächig im Gelände verteilte Gruben, die bis zu 3 m Durchmesser haben (Abb. 5). Die Oberflächen der Befunde waren durch Regen und andere Witterungseinflüsse freigelegt worden und hoben sich deutlich durch ihre Farbe, sowie eine Anhäufung von Artefakten ab (Abb. 6).
Bwambé Beach (BWB 04)
Diese Fundstelle lag ca. 200 m vom atlantischen Ozean entfernt auf einem Baugrundstück der Stadt Kribi im Ortsteil Bwambé. In einem Abrißhang zum Ufer, eines kleinen Baches hin, zeigte ein künstlich erstelltes Profil, dass es sich hier um verschiedene Schichten innerhalb eines Befundes handeln mußte (Abb. 7). Flachbodige, oft mit Zahnstock, Stempeleindruck und horizontal zum Rand verlaufenden Bändern verzierte Keramik wurde geborgen. Besonders Ränder wurden häufig mit Zahnstock verziert.
Auch auf der Oberfläche, an der sich das Profil befand, konnte eine große Anzahl von Streufunden mit verschiedensten Verzierungs- und Randformen aufgelesen werden (Abb. 8, Abb. 9).
Akonétye (AKO 04)
Dieser Fundplatz wurde von Richard Oslisly und Pascal Nlend Nlend während des Baus der Transafricana in der Nähe der Stadt Ambam, im Süden Kameruns, entdeckt. Eine erneute Prospektion 2004 erbrachte vier Befunde, die unter anderem 2005 gegraben werden sollten (Abb. 10).
Von besonderem Interesse war die Keramik der verschiedenen Befunde, die sehr homogen wirkte und aufwendig verziert war (Abb. 11).
Abb. 11 entnommen aus
Eggert et al. 2006
Campo (CAM 04)
Ein kurzer Aufenthalt in der am südwestlichsten Zipfel Kameruns gelegenen Stadt zeigte bereits das Potential der archäologischen Fundstellen und des darin enthaltenen Materials. In wenigen Stunden konnten zwei Fundstellen,
Campo Kirche (Eglise - Abb. 12) und Campo Gymnasium (Lycée) entdeckt werden. Beide Fundplätze waren schon vorher bekannt, teilweise gegraben, aber nicht publiziert. Zu den Funden gehören in Reihen gegliederte vollständige Keramikgefäße (Abb. 13), die in Form und Verzierung denen von
Lobethal /
Yatou ähneln (siehe auch
Oslisly 2006).
Südostprospektion 2005
Im Zuge der Ausgrabungskampagne wurde im März 2005 eine weitere Prospektionsreise in den Südosten Kameruns unternommen, mit dem Ziel Befunde am Ngoko, einem Zufluss des Kongostroms im Südosten Kameruns, zu lokalisieren. Leider wurden nur wenige Befunde entdeckt, welche sich für eine spätere Grabung eignen würden, da die Ufer des Ngoko stark bewachsen waren (Abb. 14). Die Forschergruppe konnte aber im Zuge dieser Reise in den Südosten zwei archäologische Fundstellen im Lobékè-Nationalpark lokalisieren. Bei diesen Fundplätzen, Ndangayé und Boulou, handelt es sich um Keramikkonzentrationen in Form von Schichten, die bei der Aushebung von Gruben zutage kamen. Interessanterweise liegen beide Fundstellen am Rande von „Savannen“ innerhalb des Regenwaldes (Abb. 15). In diesen Gebieten ohne Baumbewuchstritt salziges Grundwasser an die Oberfläche. Bei den Gefässen handelt es sich um dickbodige, grobe und kaum verziert Keramik, die eventuell als Salzsiedegefäße gedeutet werden könnten (Abb. 16). Eine Datierung beider Fundstellen deutet auf ein Alter um 1000 B. P. hin.
Kurzprospektion Ambam 2005
Im Rahmen der Ausgrabung
Akonétyes 2005 wurde eine Prospektion der Umgebung Ambams durchgeführt. Hierbei fielen vor allem zwei Fundplätze,
Minyin (Abb. 17) und
Abang Minko'o (Abb. 18) durch mehrere an der Strasse (Transafricana) liegende Befunde auf. Eine Ausgrabung im Jahre 2006 sollte dann interessante Funde und Befunde zum Vorschein bringen.
Der Osten: Bertoua und Umgebung - Prospektion 2007
Im Januar 2007 wurde eine Prospektionsreise in den Osten Kameruns unternommen. Ziel war es hierbei Befunde im Gebiet des Regenwald-Savannen-Mosaik ausfindig zu machen.
Es sollte ferner untersucht werden, inwieweit sich die Funde, insbesondere die Keramik, der des bereits untersuchten Gebietes im Süden Kameruns typologisch ähnelt. Im Einzelnen wurde hierzu die Umgebung von Bertoua genauer untersucht (Abb. 19). Im ersten Teil wurde dazu die Bevölkerung nach lokalen Fundorten befragt und Oberflächenfunde aufgesammelt.
In einer zweiten Phase sollte die Strasse zwischen Bertoua und Garoua Boulai, bis Letta, auf archäologische Hinterlassenschaften untersucht werden. Dazu gingen wir nach dem bewährten System vor, die Befunde, die sich in abgeschobenen Strassenprofilen zeigten, einzumessen und zu beproben.
Dies sollte sich als sehr erfolgreich erweisen, da wir diverse Befunde in verschiedenen Orten entlang dieser Route vorfinden konnten (Abb. 20). Zumeist handelt es sich dabei um Grubenbefunde, aber auch einzelne Steinbeile und Kulturschichten konnten entdeckt werden (Abb. 21). Weitere Ergebnisse zur Datierung liegen bislang noch nicht vor, werden aber in Kürze erwartet.
Der Osten: Abong Mbang und Umgebung - Prospektion 2008
Im Jahr 2008 wurde erneut ein Survey im östlichen Kamerun durchgeführt. Ausgangspunkt der Begehungen war dieses Mal die Stadt Abong Mbang.
Zunächst war die ungeteerte Straße zwischen Abong Mbang und Doumé Gegenstand der Prospektion. Hier erschwerte der von durchfahrenden Lastwagen aufgewirbelte und auf den Straßenprofilen abgelagerte Staub ein Erkennen der Befunde erheblich. Dennoch fanden sich einige keramikführende Befunde.
Im zweiten Teil des Surveys wurde die im Bau befindliche Straße von Ayos nach Bertoua auf der Strecke zwischen …. Und Abong Mbang abgegangen. Im Wesentlichen handelt es sich bei den entdeckten Befunden um dunkel verfüllte, keramikführende Siedlungsgruben und einfache Keramikkonzentrationen ohne Befundgrenzen. Herausragend zeigte sich der Fundort Bagofit, an dem sich nicht nur viel Keramik, sondern auch ein angeschnittener Grubenofen fand.
In zweien der 2008 entdeckten Fundorte, Bagofit und Mampang, wurde in der folgenden Kampagne ausgegraben.

- Abb. 1 Prospektion in Mampang

- Abb. 2 Karte der prospektierten Strecken (rot) um Abong Mbang

- Abb. 3 Während des Surveys in Bagofit entdeckter Grubenofen
























