Untersuchungen zur frühneolithischen Siedlung von Belica (Zentralserbien) und zu dem vermeintlichen Figurenfund

Der von M. Stojic präsentierte Figurenfund. Nachweislich sind einige der Steinfiguren modern gefertigt worden.
Der von M. Stojic präsentierte Figurenfund. Nachweislich sind einige der Steinfiguren modern gefertigt worden.

Im Jahr 2008 berichtete Milorad Stojic über einen vom Umfang her bislang einzigartigen Depotfund  von Idolen, die vom südöstlichen Rand der Ortschaft Belica bei Jagodina (Zentralserbien) stammen sollen. Große Teile des Fundes sollen aus einer Notgrabung im Januar 2002 unter der Leitung von Milorad Stojic stammen. Beteiligt an dieser Grabung waren auch Aleksandr Kapuran (Archäologisches Institut, Belgrad), Zivota Milanovic (Restaurator am Museum Jagodina) sowie weitere Mitarbeiter des Museums Jagodina. Diese Arbeiten waren jedoch nicht Teil einer Forschungsgrabung, die erst im Jahre 2003 unter Leitung von Slavisa Peric (ebenfalls Archäologisches Institut, Belgrad) durchgeführt wurde.

 

Entgegen anderslautender Pressestimmen war das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäoloigie des Mittelalters der Eberhard Karls Universität Tübingen weder an der Rettungsgrabung des Jahres 2002 noch an den Grabungen des Serbischen Archäologischen Institutes in 2003 beteiligt. 

 

Dem Fund zugeschrieben werden zum größten Teil stark stilisierte, frauengestaltige (gynäkomorphe) Figuren und Abbildungen von menschlichen Körperteilen sowie miniaturisierte Beile und einige abstrakte Gegenstände. Insgesamt soll der Fund aus 61 Stein-, 10 Knochen- und 7 Tonfiguren bestehen. Hinzu kommen mehrere unbearbeitete Steine und etwa zwei Dutzend Fragmente von Keramikgefäßen. Seit den späten 1990er Jahren wurden aber auch von den Einwohnern des Ortes immer wieder einzelne Figuren am Ortsrand aufgesammelt. Eine archäologische Notgrabung wurde zum Jahreswechsel 2001/2002 erforderlich, als auf einem Feldweg südöstlich des Dorfes die Verfärbung einer verfüllten Grube sichtbar wurde, aus der nach Angabe von Milorad Stojic alle Fundstücke stammen sollen.

 

Mit den Freilegungsarbeiten wurde zunächst Dr. Nenand Tasic vom Archäologischen Seminar der Universität Belgrad betraut, ausgeführt wurden die Arbeiten dann aber unter der Leitung von Dr. Milorad Stojic. Der obere Abschnitt des Befundes war durch das Befahren des Weges mit Landwirtschaftsfahrzeugen und die starke Erosion des Hanges bereits in weiten Teilen abgetragen worden, sodass von den Archäologen nur noch der unterste, etwa 10 cm tiefe Abschnitt kontrolliert freigelegt werden konnte.

 

Seit dem 9.11.2012 ist uns eine serbische Veröffentlichung bekannt, in der die Authentizität der Funde angezweifelt wird. Zudem gibt es widersprüchliche Angaben über die Umstände der Fundbergung durch die an den Grabungen beteiligten Wissenschaftler.

 

Neuere, in unserem Auftrag durchgeführte Untersuchungen an den Steiartefakten bestätigen nun, daß einige der Figuren mit modernen Geräten gefertigt wurden. Diese nachweislich gefälschten Stücke wurden mit tatsächlichen Artefakten frühneolithischer Zeit vermengt. Damit ist der Fund in seiner Gesamtheit unseres Erachtens nicht länger als authentisch anzusehen. 

 

Literatur:

M. Stojic, Novi grupni nalazi umetnickih predmeta iz ranog neolita u Belicu i Lozoviku kod Jagodine. In: V. Jovic (Hrsg.), Dragoslav Srejovic i umetnost (Kragujevac 2008) 73-86.

 

Ein seit Frühjahr 2012 von der Fritz Thyssen Stiftung gefördertes Forschungsprojekt an der Eberhard Karls Universität Tübingen beschäftigt sich mit der Untersuchung der Funde und der frühneolithischen Siedlung von Belica.

 

Projektleitung: Raiko Krauß (Universität Tübingen)

 

Arbeitsgruppe:

Anthentizitätsuntersuchungen: Prof. Dr. Ernst Pernicka (CEZA Mannheim); Dr. Roland Schwab (CEZA Mannheim); Dr. Emanuela Cristiani (University of Cambridge)

 

Mineralogie: Prof. i.R. Dr. Wolfgang Frisch (Universität Tübingen / Wien); Dr. Hans-Jürgen Gawlick (Montanuniversität Leoben)

 

Feuersteinartefakte: Prof. Dr. Ivan Gatsov; Petranka Nedelcheva (Neue Bulgarische Universität, Sofia)

 

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung