Troia

Der heute als Troia (auch Troja, türkisch Hisarlık) bekannte Ort ist eine archäologische Fundstelle wenige Kilometer südlich der Dardanellen im Nordwesten der Türkei (Provinz Çanakkale). Der zentrale Ruinenhügel besteht aus den Überresten einer Reihe von bronzezeitlichen befestigten Siedlungen (ca. 3000-950 v.Chr.). Vor allem während der Spätbronzezeit gegen Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. war auch ein größeres Gebiet außerhalb der Burg bewohnt („Unterstadt“). Später lag auf und um den Hügel die griechische und römische Stadt Ilion (Ilium).

 

Troia gilt als Schauplatz des Trojanischen Krieges, von dem Homer in seinen Epen Ilias und Odyssee erzählt. Auf welche historischen Ereignisse diese griechischen Heldensagen zurückgehen, lässt sich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Viele Forscher meinen, dass der Ort die Hauptstadt des Landes Wilusa war, das in hethitischen Schriftquellen aus dem 2. Jahrtausend v.Chr. erwähnt wird.

 

Das Wissen um die genaue Lage Troias bzw. Ilions ging im Mittelalter verloren, obwohl die Erzählungen über den Trojanischen Krieg durch literarische und künstlerische Darstellungen weithin bekannt waren. Erst seit dem 18. Jahrhundert suchten europäische Forscher in der Landschaft Troas nach Spuren der Orte und Ereignisse des Epos. Dies war der Anlass für Ausgrabungen auf dem Hügel Hisarlık, die zunächst von Frank Calvert ab 1863 begonnen und von Heinrich Schliemann (1870-1890), Wilhelm Dörpfeld (1893-1894) und Carl Blegen (1932-1938) fortgeführt wurden.

 

Die neuen Forschungen in Troia und seiner Umgebung unter der Leitung von Manfred Korfmann (Universität Tübingen) begannen mit Vorarbeiten im Jahr 1987, denen jährliche Ausgrabungen bis 2012 folgten. Diese Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit Ch. Brian Rose (University of Cincinnati) und einem internationalen Team unter Beteiligung zahlreicher Personen und Institutionen durchgeführt. Dabei war die Arbeitsgruppe aus Tübingen für die Ur- und Frühgeschichte (Bronzezeit) zuständig; das Team aus Cincinnati befasste sich mit der Klassischen Archäologie. Manfred Korfmann verstarb im Jahr 2005. Anschließend leitete Ernst Pernicka (Universität Tübingen) die Grabungen in Troia bis 2012. Die Auswertung und Publikation der Ergebnisse dauert an.

 

Seit 2013 hat Rüstem Aslan (Çanakkale Onsekiz Mart Üniversitesi) die Lizenz für weitere Untersuchungen in Troia, die in Kürze wieder aufgenommen werden.

 

Troia ist UNESCO-Weltkulturerbe und Mittelpunkt eines Historischen Nationalparks.

Die Burg von Troia mit der Burgmauer von Troia II im Vordergrund (Foto: Stephan W. Blum).