Datierung des Gräberfeldes Varna I

Korrespondenzanalyse mit Kennzeichnung der CA-Phasen und der zugeordneten 14C-datierten Gräber, dazu Histogramm-Darstellung (oben links) der Gesamtgräberzahl pro Phase sowie der Anteil jeweilige an 14C-datierten Gräbern (rot markiert). Die Barcode-Darstellung zeigt die phasenweise Grababfolge auf Faktor 1 im Vergleich zur Punktprojektion auf die Näherungsparabel (Graphik C. Schmid)
Laufzeitmodell von Varna I, ermittelt durch Wiggle Matching äquidistant abgebildeter Seriationsabfolgen. Rot markiert sind die Radiokarbondaten des Oxforder Labors, blau die neuen, im Rahmen des Tübinger Varna-Projektes gemessenen Daten (Graphik C. Schmid)

Der Beginn der Belegung des Gräberfeldes von Varna I wurde durch eine Serie von AMS-Daten des Oxforder Laboratoriums relativ präzise auf 4650 calBC datiert (Higham et al. 2007). Diese Daten bestätigen weitgehend die ältere Berliner Serie von konventionellen 14C-Daten für die KGK VI-zeitlichen Schichten der Tellsiedlungen Karanovo, Azmak und Ezero II. Eine interne chronologische Gliederung der Gräber aus Varna I anhand ihrer Beigaben, der anthropologischen Angaben und weiterer Attribute (Grabtiefe, Orientierung, Art der Bestattung etc.) offenbart allerdings, dass das Ende des Gräberfeldes mit diesen Daten bislang nur sehr ungenau erfasst ist. Vier neue 14C-Daten eröffnen Perspektiven für die Diskussion rund um die Laufzeit von Varna I (Krauß et al 2016).

 

 

Aus der Korrespondenzanalyse einer Hauptauswahl ungestörter Bestattungen lässt sich eine interne, relativchronologische Gliederung von Varna I ableiten. Verbindet man diese mit 14C-Daten, so kann aus einer linearen kalenderzeitlichen Abbildung der Seriations-Schwerpunkte und anschließender Eichung durch Wiggle Matching ein Laufzeitmodell ermittelt werden, wonach sich ein Laufzeitmaximum von etwa 4690 bis etwa 4330 calBC abbildet. Entsprechend nehmen wir mit einiger Sicherheit an, dass die Bestattung von Personen in Varna spätestens um 4300 calBC endet. Möglich ist allerdings, dass auch danach noch weitere symbolische Bestattungen, etwa im Rahmen einer Sakralisierung des Platzes, eingebracht wurden (Krauß et al. 2016).

 

 

R. Krauß/C. Schmid/D. Ciobotaru/V. Slavchev, Varna und die Folgen. Überlegungen zu den Ockergräbern zwischen Karpatenbecken und der nördlichen Ägäis. In: M. Bartelheim/B. Horejs/R. Krauß (Hrsg.), Von Baden bis Troia. Ressourcennutzung, Metallurgie und Wissenstransfer. Eine Jubiläumsschrift für Ernst Pernicka (Rahden 2016) 273-315.